Logartal, Tolmin und andere schöne „Umwege“
Slowenien war für uns kein Neuland mehr – aber diesmal war trotzdem einiges anders. Es war unsere dritte Reise dorthin und die erste mit unserem RuhrpottVan. Vor uns lagen 17 Tage, rund 2.600 Kilometer und eine Route, bei der nicht immer alles so lief wie gedacht. Also eigentlich genau die richtige Mischung für uns.
Unsere Reise führte uns über Vilshofen und Kärnten ins slowenische Logartal, weiter nach Jezersko und Tolmin. Auf dem Rückweg machten wir noch Station am Weißensee und im Altmühltal. Dazwischen lagen steile Passstraßen, anstrengende Radtouren, eine Wanderung mit vernünftiger Umkehrentscheidung, ein eher zurückhaltender Wasserfall und eine Fahrt mit dem RuhrpottVan auf einem Autozug.
Das Wetter spielte fast die ganze Zeit mit. Tagsüber hatten wir meist Sonne und Temperaturen zwischen 23 und 30 Grad, nachts wurde es in den Bergen deutlich kühler. Was wir unterwegs erlebt haben, welche Stellplätze uns gefallen haben und warum ein kleiner Umweg manchmal mehr Höhenmeter als nötig bedeutet, erzählen wir in diesem Reisebericht.
Von der Ruhr an die Donau: erster Halt in Vilshofen
Unsere erste Nacht verbrachten wir in Vilshofen an der Donau. Am kleinen Bootshafen fanden wir einen passenden Platz für den RuhrpottVan und machten uns anschließend zu Fuß auf den Weg durch den Ort. Vilshofen ist hübsch anzusehen, wirkte an diesem Tag allerdings ausgesprochen ruhig. Dafür rollte reichlich Durchgangsverkehr durch die Straßen – eine Kombination, die uns nicht lange zum Bleiben einlud.
Am Abend fanden wir im Restaurant des nahe gelegenen Sportflugplatzes noch etwas Gutes zu essen. Für eine Zwischenübernachtung würden wir den Platz wieder nutzen. Wer hier allerdings abends noch großes Programm erwartet, sollte besser selbst ein Kartenspiel dabeihaben.



Pießling-Ursprung und eine Nacht im Stift Griffen
Auf dem Weg Richtung Kärnten legten wir einen Zwischenstopp am Pießling-Ursprung in Roßleithen ein. Die Karstquelle gehört zu den größten der Ostalpen. Aus einem etwa 32 Meter tiefen Quelltopf tritt das Wasser in kräftigen Blau- und Grüntönen an die Oberfläche. Im Sommer fließen dort durchschnittlich rund 2.000 Liter Wasser pro Sekunde, während der Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen können es sogar 7.000 Liter und mehr sein.
Direkt am Weg liegt außerdem ein traditionsreiches Sensenwerk. Die Wasserkraft der Pießling trieb früher die Hammerwerke der Sensenschmiede an. Auf dem Gelände steht sogar die größte Sense der Welt – ein ziemlich ungewöhnliches Fotomotiv und allemal besser als die nächste beliebige Autobahnraststätte.
Unser Übernachtungsplatz lag anschließend im Klosterhof des Stifts Griffen in Kärnten. Das ehemalige Prämonstratenserkloster wurde im 13. Jahrhundert gegründet und ist von einer hohen gotischen Wehrmauer umgeben. Heute betreibt dort ein Paar eine Gaststätte mit Gästezimmern und einem großen Saal. Für uns war der Hof ein wunderbar ruhiger Stellplatz mit viel Atmosphäre. Fast 800 Jahre Klostergeschichte unter den Rädern hat man schließlich auch nicht jede Nacht.
Über die Passstraße ins Logartal
Nach einem sonnigen Camper-Frühstück am Stift Griffen ging es über eine enge Passstraße zu unserer ersten Station in Slowenien. Die Strecke führte viele Kilometer steil bergauf, belohnte uns aber immer wieder mit großartigen Ausblicken auf die Bergwelt.
Ein kleiner Navigationsfehler sorgte dafür, dass wir einen Abzweig verpassten und knapp zehn Kilometer Umweg fuhren. Das klingt zunächst nicht dramatisch. Wenn man die zusätzlichen Kilometer anschließend wieder bergauf zurückfahren muss, sieht die Sache allerdings etwas anders aus. RuhrpottVan und Fahrer haben es überstanden – die Laune brauchte ein paar Minuten länger.
Unser Ziel war die Na Logu Farm bei Solčava. Der ruhige Stellplatz war genau das Richtige, um erst einmal anzukommen. Vor uns lagen das Logartal, die Steiner Alpen und einige Touren, bei denen unsere Fahrräder und Beine noch ordentlich Arbeit bekommen sollten.
Mit dem Fahrrad durch das Logartal
Zum Rinka-Wasserfall
Bei blauem Himmel starteten wir von der Na Logu Farm mit den Fahrrädern Richtung Rinka-Wasserfall. Die Strecke führte durch das Logartal, vorbei an grünen Wiesen, alten Bauernhöfen und immer mit Blick auf die Steiner Alpen. Schon die Fahrt durch das Tal war den Ausflug wert.
Vom Parkplatz am Ende der rund neun Kilometer langen Stichstraße ging es noch etwa 15 bis 20 Minuten zu Fuß bergauf. Der Weg zur Aussichtsplattform ist kurz, aber ziemlich steil. Mit einer Fallhöhe von etwa 90 Metern gehört der Rinka normalerweise zu den eindrucksvollsten Wasserfällen Sloweniens.
Bei unserem Besuch herrschte allerdings Wasserknappheit. Statt eines tosenden Wasserfalls erwartete uns eher ein erfrischender Sprühregen. Die Landschaft war trotzdem großartig. Manchmal muss eben nicht alles mit voller Kraft herunterdonnern, um einen Ausflug lohnenswert zu machen.



Die Solčava-Panoramastraße
Am folgenden Tag stand die Solčava-Panoramastraße auf dem Programm: rund 30 Kilometer und ungefähr 740 Höhenmeter. Die ersten Kilometer ließen sich noch entspannt fahren. Danach kamen die Kehren – eine nach der anderen.
Serpentine für Serpentine arbeiteten wir uns nach oben. Zwischendurch stellte sich durchaus die Frage, warum man so etwas freiwillig macht. Die Antwort kam mit jedem neuen Aussichtspunkt: vor uns die Gipfel der Kamniško-Savinjske Alpen, unter uns grüne Almwiesen und verstreute Bauernhöfe. Für solche Bilder nimmt man schwere Beine in Kauf.
Am höchsten Punkt der Runde standen wir auf etwa 1.250 Metern. Bei einer kleinen Kirche öffnete sich ein Rundblick, der die ganze Anstrengung vergessen ließ. Danach folgte die verdiente Abfahrt mit Fahrtwind, Kurven und deutlich besserer Laune. Zurück in Solčava waren die Beine endgültig durch, aber der Kopf voller Bilder von einer der schönsten Radtouren unserer Reise.
Unser Fazit: Die Solčava-Panoramastraße ist kein Zuckerschlecken. Wer gerne Rad fährt und sich Ausblicke ehrlich erarbeiten möchte, sollte diese Tour aber unbedingt auf die Liste setzen.



Jezersko: schöner Stellplatz und eine Wanderung mit Vernunft
Von Solčava ging es weiter nach Jezersko. Statt der kurzen Strecke über die Pässe wählten wir die knapp 100 Kilometer lange Fahrt durch das Kamniško-Tal. Unser Ziel war das Alpski-Camping, ein sehr schöner und ruhig gelegener Ausgangspunkt für die nächste Tour.
Am folgenden Morgen fuhren wir zunächst vier Kilometer mit dem Rad zum Planšarsko jezero. Der kleine See führte während unseres Besuchs nur wenig Wasser. Von dort ging es zu Fuß durch das Ravenska-Tal Richtung Češka koča. Der Weg führte über Asphalt, Schotter und schmale Pfade immer tiefer in die Bergwelt hinein.
Für den Aufstieg zur Hütte waren rund 560 Höhenmeter zu bewältigen. Wurzeln, lose Steine und steile Abschnitte machten die Wanderung zunehmend anspruchsvoll. Unser Ziel, die auf 1.543 Metern gelegene Češka koča, gilt als eine der ältesten Berghütten Sloweniens. Nach knapp zweieinhalb Stunden standen wir auf etwa 1.400 Metern – die Hütte war aber noch immer nicht erreicht und der letzte Abschnitt wurde immer schwieriger.
Wir entschieden uns deshalb, umzudrehen. Das war im ersten Moment enttäuschend, aber mit angeschlagenen Kniegelenken die richtige Entscheidung. Am Ende standen trotzdem 13 Kilometer Wanderung über Stock und Stein auf der Uhr. Nicht jedes Ziel muss um jeden Preis erreicht werden. Manchmal besteht die eigentliche Leistung darin, rechtzeitig zu erkennen, wann Schluss ist.


Ravenska-Tal machte Lust auf den Aufstieg

Kneža und die Tolminer Klamm
Nach einem ruhigen Tag mit Sonne, Regen und Gewitter fuhren wir weiter nach Kneža bei Tolmin. Dort verbrachten wir eine Nacht auf einem einfachen, urigen Stellplatz. Der eigentliche Grund für unseren Abstecher lag jedoch wenige Kilometer entfernt: die Tolminska korita, die Tolminer Klamm.
Am südlichen Rand des Triglav-Nationalparks haben sich die Flüsse Tolminka und Zadlaščica tief in den Fels gegraben. Zwischen steilen, moosbewachsenen Wänden fließt das Wasser in einem kräftigen Türkis, das eher an die Karibik als an die Alpen erinnert. Am Zusammenfluss der beiden Flüsse liegt auf etwa 180 Metern zugleich der niedrigste Punkt des gesamten Nationalparks.
Ein ungefähr zwei Kilometer langer Rundweg führt über Stege, Brücken und gut ausgebaute Pfade durch die Schlucht. Dabei kommen rund 500 Stufen zusammen, die stellenweise feucht und rutschig sind. Festes Schuhwerk ist hier keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, sondern schlicht vernünftig.
Draußen im Soča-Tal zeigte das Thermometer an diesem Tag etwa 30 Grad. In der Klamm war es dagegen angenehm kühl. Wir brauchten für die Runde deutlich länger als unbedingt nötig, weil wir an fast jedem Aussichtspunkt stehen blieben. Aber genau dafür sind solche Orte schließlich da.



Mit dem RuhrpottVan auf den Autozug
Manchmal ist der Weg selbst schon das beste Erlebnis. An der Bahnstation Most na Soči verluden wir den RuhrpottVan auf den Autozug der Bohinjska-Bahn. Wer sich fragt, wie ein ausgewachsener Campervan auf einen Zug passt: erstaunlich unkompliziert. Rampe hoch, Handbremse rein – und schon setzte sich die betagte Diesellok in Bewegung.
Für zwei Stationen und etwa 45 Minuten ließen wir uns durch die Julischen Alpen ziehen. Die Strecke führte über Brücken und durch Tunnel, vorbei an schroffen Felswänden, grünen Tälern und klaren Flüssen. Wir standen an der offenen Seitentür, hatten kein Lenkrad in der Hand und konnten die Landschaft einfach vorbeiziehen lassen. Ein Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden.
Nach der Zugfahrt ging es wieder auf eigener Achse weiter. Serpentine für Serpentine schraubten wir uns über den Wurzenpass und anschließend hinunter Richtung Weißensee. Die Fahrt war anstrengend, aber langweilig war sie keine Minute.



Zwischenstopp am Weißensee
In Techendorf am Weißensee landeten wir auf einem ziemlich vollen Campingplatz. Trotzdem bekamen wir einen Platz, auf dem wir vom größten Trubel kaum etwas mitbekamen. Nachdem alles aufgebaut war, nutzte Antje die Gelegenheit für ein Bad im klaren Wasser des Bergsees. Am Abend zog ein Gewitter über den Platz – ein passender Abschluss für einen langen Tag mit Autozug, Passstraße und reichlich Kurven.
Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne. Mit dem Sessellift fuhren wir zunächst auf etwa 1.245 Meter Höhe. Von dort wanderten wir zur Kohlröslhütte auf 1.534 Metern. Unterwegs öffnete sich immer wieder der Blick auf den Weißensee und die umliegenden Berge.
Nach knapp sechs Kilometern und etwa eineinhalb Stunden erreichten wir die Hütte. Kaiserschmarrn und alkoholfreies Weizen waren danach keine kulinarische Laune, sondern eine wohlverdiente Belohnung. Dazu gab es einen weiten Blick ins Tal – besser kann eine Mittagspause kaum aussehen.
Der nächste Tag bestand größtenteils aus Regen. Eine zweistündige Pause zwischen den Schauern reichte für einen längeren Spaziergang. Danach stand unser Entschluss fest: Am nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung besseres Wetter. Wohin genau, würden wir unterwegs entscheiden.



Heimweg mit Umwegen: Dollnstein, Pappenheim und Berching
Nach einer Nacht mit anhaltendem Regen verließen wir den Weißensee früh am Morgen. Vor uns lagen 437 Kilometer Richtung Heimat, reichlich Verkehr und zunächst weiterhin grauer Himmel. Erst hinter der deutsch-österreichischen Grenze wurde das Wetter besser. Unser Tagesziel war Dollnstein im Altmühltal.
Am folgenden Tag holten wir die Fahrräder wieder hervor und fuhren einen Rundkurs von mehr als 60 Kilometern. Einer der Höhepunkte war Pappenheim, eine kleine Stadt zwischen Jurafelsen, überragt von einer großen Burganlage. Der Name ist fast jedem durch den Satz „Ich kenne meine Pappenheimer“ bekannt. Die Redewendung geht auf Friedrich Schillers Drama „Wallensteins Tod“ zurück. Wallenstein wusste ziemlich genau, was er von seinen Soldaten zu erwarten hatte – ein Gefühl, das Camper beim Blick auf die eigenen Reisebegleiter durchaus nachvollziehen können.
Unser letzter Halt war Berching in der Oberpfalz. Die Altstadt ist fast vollständig von einer mittelalterlichen Stadtmauer mit mehreren Türmen und vier Stadttoren umgeben. Zwischen den beiden zentralen Plätzen stehen farbige Bürgerhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Berching erinnerte uns ein wenig an Rothenburg oder Dinkelsbühl, nur kleiner, ruhiger und ohne den großen Besucherrummel.
Am Rand der Altstadt verläuft der historische Ludwig-Donau-Main-Kanal. Nach den vielen Kilometern, Bergen und Unternehmungen war Berching genau der richtige Ort, um das Tempo noch einmal herauszunehmen. Danach ging es endgültig zurück ins Ruhrgebiet.
Unser Fazit zur Slowenienreise
Diese Reise hatte von allem etwas: ruhige Stellplätze, enge Passstraßen, anspruchsvolle Touren und Landschaften, bei denen man automatisch langsamer wird. Besonders in Erinnerung bleiben uns das Logartal, die Radtour über die Solčava-Panoramastraße, die Tolminer Klamm und natürlich die Fahrt mit dem RuhrpottVan auf dem Autozug.
Nicht alles lief nach Plan. Wir verfuhren uns, drehten bei einer Wanderung vor dem Ziel um und erlebten den Rinka-Wasserfall in einer eher sparsamen Ausführung. Genau solche Momente gehören für uns aber zum Reisen dazu. Ein Roadtrip ist schließlich keine Pauschalreise mit festgelegtem Tagesprogramm.
Slowenien war auch beim dritten Besuch noch nicht erledigt. Dafür gibt es dort zu viele Täler, Pässe und kleine Straßen, bei denen man plötzlich wieder anhält, weil die Aussicht einfach zu gut ist. Wir kommen wieder – dann vermutlich mit einem neuen Plan, von dem wir unterwegs garantiert wieder abweichen.
Unsere komplette Reise bei Polarsteps
Wer unsere Reise noch einmal Etappe für Etappe verfolgen möchte, findet in unserem öffentlichen Polarsteps-Reisebericht die komplette Strecke, alle Stationen und viele weitere Fotos. Dort stehen außerdem unsere kurzen Einträge, die direkt unterwegs entstanden sind.

